Institut für Palästinakunde
- IPK -

Start / Politik (Archiv) / 2012021101

Moshe Machover: Israel benötigt Iran-Überfall für eine weitere nakba [11.02.2012]

Während Israel droht die USA in einen Krieg gegen den Iran verstricken, fragen sich die Experten, was die mehrhundertfache Nuklearmacht Israel dazu veranlasst, derart massiv auf einen Krieg gegen den Iran zu drängen, der weder über Nuklearwaffen noch langreichweitige Trägersysteme verfügt.

Mal ganz davon abgesehen, dass nicht erkennbar ist, welchen Nutzen der Iran von einem Angriff auf Israel hätte, garantieren allein schon die mit deutschen Steuermitteln finanzierten U-Boote Israels nukleare Zweitschlagsfähigkeit, so dass nicht einmal ein nuklear bewaffneter Iran in der Lage wäre Israel anzugreifen.

Insofern für einen israelischen Überfall auf den Iran keine militärische Notwendigkeit besteht, erscheinen auch die anderen angebenen Gründe - etwa der, dass ein nuklear bewaffneter Iran zu einer jüdischen Emmigration führen müsste - als vorgeschoben.

Krieg ohne realpolitischen Grund?

Das scheinbare Fehlen eines rationalen Grundes für den Überfall auf den Iran ist auch dem Alt-Linken, 1968 von Israel nach England emigrierten Antizionisten Moshe Machover aufgefallen, der eine ebenso plausible wie beunruhigende Erklärung für den israelischen Bellizismus gefunden hat:
Israel, so Machover, braucht den Krieg gegen den Iran, weil dieser in den nächsten ein, zwei Dekaden vermutlich die letzte Möglichkeit bietet, die 'demographische Bombe' - den Umstand, dass arabische Palästinenser in wenigen Jahren die Bevölkerungsmehrheit in Israels Herrschaftsgebiet stellen werden - durch eine erneute flächendeckende ethnische Säuberung zu 'entschärfen'.

Diese recht plausible Ansicht breitet Machover in diesem Artikel aus.

Tatsächlich gibt es für diesen Plan eine historische Blaupause: Das israelische Massaker in Kafr Quassem im Jahr 1956. Ein Verbrechen im Stil der Massaker des sogenannten israelischen Unabhängigkeitskrieges, das im Schatten des Suezkriegs dazu führen sollte, die im Grenzgebiet zu Jordanien lebenden Araber zur Flucht zu veranlassen. Ein Plan der 1956 allein daran scheiterte, dass sich Jordanien am Suezkrieg nicht beteiligte.

Erfolgsaussichten für eine nakba in 2012

Israels 'Erfolgsaussichten' im Jahr 2012 sind weitaus besser wie im Jahr 1956.
Der Irankrieg wird vermutlich nicht nur ein paar Tage andauern und dazu Konsequenzen für die israelische Zivilbevölkerung haben, die es der israelischen Regierung leicht machen werden, die Gefahr eines neuen Holocausts an wie Wand zu malen und damit eventuell verbliebene Skrupel in der jüdischen Bevölkerung auszuschalten.

Die US-Politik befindet sich in einer eisernen Umklammerung durch die Israel-Lobby: Der amerikanische Präsident hat sich in ihren Händen als wachsweicher Umfaller erwiesen - und die republikanischen Präsidentschaftskandidatenanwärter übertrumpfen sich ihr gegenüber gegenseitig in Ergebenheitsadressen.

Aus 'Rücksicht' auf die USA sowie auf Druck der europäischen Israel-Lobby sehen auch die Europäer seit langem tatenlos zu, wie Israel Menschen- und Völkerrecht zertrampelt.
Und obgleich alle Umfragen zeigen, das über zwei Drittel der deutschen Bevölkerung Israels Vorgehen gegenüber den Palästinensern missbilligen, ist davon in der deutschen 'veröffentlichten Meinung' nichts zu spüren, ganz im Gegenteil.

Diese internen und externen Faktoren lassen es als möglich erscheinen, dass Israel mit einer weiteren nakba tatsächlich durchkommen könnte, um so den heiligen 'jüdischen Charakter' des Staates zu retten.

 (ts)

Eine Übersicht über unsere aktuellen Politik-Nachrichten finden Sie hier.

Eine Übersicht weiterer Politik-Nachrichten in unserem Archiv finden Sie hier.

© IPK