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Hebron: Israelische Armee scheisst auf die Palästinener und auf Uri Shani - Sigmar Gabriel klärt seine Missverständnisse mit dem ZdJ [19.03.2012]

Hebron: Israelische Armee scheisst auf die Palästinener und auf Uri Shani - Sigmar Gabriel klärt seine Missverständnisse mit dem ZdJ Nachdem Sigmar Gabriel nach seinem Besuch in Hebron vergass sich auf die Zunge zu beissen - und den Apartheidstaat Israel auf facebook tatsächlich als einen solchen bezeichnete - traten sofort die deutschen Israel-Lobbyisten auf den Plan: Ein gewissser Schweigmann-Greve konnte natürlich nicht schweigen - sondern musste sich vielmehr darüber empören, dass Gabriel den Iraelis einen Schlag in das Gesicht versetzt habe.

Gabriel knickte natürlich sofort völlig freiwillig ein - liess seine Kommentar-Sektion reinigen - und erklärte öffentlich nicht nur über das Stöckchen der Botschaft, sondern auch über das des Zentralrats springen zu wollen. Jener moralischen Institution, der keine israelische Niederträchtigkeit und Grausamkeit zu niedrig erscheint, um sie nicht verteidigen und bejubeln zu können.

Diese 'Scheisse' veranlasste den in der Schweiz gebürtigen, nummehr in Israel lebenden Theatermann und Aktivisten Uri Shani zu einem offenen Brief an Schweigmann-Greve.

Denn nur wenige Tage zuvor hatte ihn eben jener Staat in Hebron bei einem Protest mit 'Scheisse bespritzt', als dessen grosser Freund sich Gabriel weiterhin betrachtet. Und neben Shani traf die 'Scheisse' auch einen Verstorbenen, der gerade von seinen Angehörigen zum Friedhof getragen werden sollte - was geradezu als exemplarisch für die herausragende Moral und Ethik Israels gegenüber den Palästinensern gesehen werden kann.


Sehr geehrter Herr Schweigmann!

Mein Name ist Uri Shani, ich bin Israeli. Ich danke Ihnen, dass ich durch Sie über den Besuch von Herrn Gabriel und über seine Stellungnahme hörte. - Ich danke Ihnen auch, dass Sie versuchen, mich zu verteidigen. Ich bitte Sie, dies in Zukunft zu unterlassen.

Waren Sie einmal in Hebron?

Ich war das letzte Mal vor zwei Wochen dort, ich wurde vom Militär des Staates, dem ich unerträglich hohe Steuern zahle, mit Scheiße bespritzt. Und ich meine das wörtlich. Drei Tage lang habe ich gestunken, weil ich gegen die Apartheid in Hebron und in diesem Land überhaupt demonstrieren wollte. Als wir mit der Demonstration begonnen hatten, kam gerade ein Beerdigungszug auf die Straße. Wir ließen sie durch, damit sie nicht warten mussten.
In diesem Moment hat das israelische Militär Stellung bezogen und danach auch den Toten mit Scheiße bespritzt, denn als Palästinenser darf man in diesem Land nur mit Scheiße bespritzt begraben werden.

Ich habe geweint, weil wir auch mit Tränengas bombardiert wurden.

Herr Schweigmann, das hatten wir nicht nötig, denn aus Wut und Trauer hätten wir sowieso geweint.

Solche Schläge ins Gesicht, Herr Schweigmann, erhalte ich sehr oft, weil ich nicht zufrieden bin hier. Die Äußerung von Herrn Gabriel aber gibt mir Mut und stärkt mich. Nicht alle Deutsche lassen sich mit der Antisemitismuskeule erschlagen.

Was haben Sie, Herr Schweigmann, gegen das Massaker in Homs gemacht?

Die palästinensischen Bewohner von Hebron, und auch in Ramallah und in Haifa, haben wenigstens dagegen demonstriert.
Warum betonen Sie eigentlich, dass Israel ein "souveräner und demokratischer Staat" sei. Soll ich Ihnen sagen, was ich davon halte?

Ich bitte Sie, Herr Schweigmann, wenn Sie mich unterstützen wollen, dann verhindern Sie doch bitte zum Beispiel die nuklearen U-Boot-Geschäftes ihres Staates mit Israel. Oder kommen Sie doch wenigstens einmal und sprechen Sie mit den Opfern dieser Regierung, auch mit den Staatsbürgern, die kein Haus haben, keine Arbeit haben, kein Essen haben. Darunter sind auch Schoah-Überlebende, Herr Schweigmann.

Ansonsten – bleiben Sie, wo Sie sind und lassen Sie mich wenigstens um mein Leben kämpfen!
Die Scheiße, mit der ich von meiner Regierung bespritzt werde, reicht mir.

Mit freundlichen Grüßen,
uri shani

 (ts)

Ergänzende Links:
Hebron funeral becomes target of 'skunk' weapon (ynet)
Krasse Benachteiligung der Palästinenser (B. Marx)

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