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Syrien: HAMAS-Führer Ismail Haniyeh wechselt die Seiten [25.02.2012]

HAMAS Emblem Nachdem führende HAMAS-Kader Syrien verlassen haben, hat sich Ismail Haniyeh, der Führer der HAMAS in Gaza, in Kairo nun öffentlich an die Seite der Aufständischen in Syrien gestellt, dessen Führung der HAMAS jahrelang Unterschlupf geboten hat.

Presseberichten zufolge erklärte Haniyeh: "Ich grüße alle Völker des arabischen Frühlings und ich grüße das heldenhafte Volk Syriens, das nach Freiheit, Demokratie und Reform strebt."

Der Richtungswechsel der HAMAS dürfte in engem Zusammenhang mit dem Umzug der HAMAS-Führung nach Qatar stehen, wo der Vorsitzende der PA, Mahmoud Abbas, und der Vorsitzende der HAMAS, Khaled Mashal, erst kürzlich ein Abkommen für eine neue gemeinsame Regierung unterzeichneten.

Faktoren, die zu dem Meinungsumschwung geführt haben sind:
• der Umstand, dass den Aufständischen in Syrien enge Bindungen zu den Moslembrüdern nachgesagt werden, auf die auch die HAMAS zurückgeht,
• die Vermutung der HAMAS, dass Assad angesichts der Vielzahl seiner Gegner einer Niederlage entgegen geht
• sowie der Umstand, dass Qatar und Saudi-Arabien (bis zu einem gewissen Grad auch die Türkei) darauf aus sind, im Verbund mit den USA und Israel eine sunnitische Achse gegen die "schiitische Bedrohung" durch den Iran zu schmieden.

Die Einreihung der HAMAS in die Front gegen den Iran - fest an der Seite der rückschrittlichsten, vom Westen unterstützen Kräfte in der Region - kommt angesichts der Machtverhältnisse im Nahen Osten nicht überraschend.

Mit dem zur Zeit so oft zitierten 'Arabischen Frühling', einer Demokratisierung des Nahen Ostens, hat dies jedoch nichts zu tun. Vielmehr ist zu befürchten, dass die von den USA und Israel gewollte Frontstellung im mittleren Osten zu einer Neuauflage vergangener Golfkriege führen wird, bei dem das gemeine Volk - insbesondere die Palästinenser - nur verlieren kann.

 (ts)

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