Institut für Palästinakunde
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Nakba-Ausstellung: Brief an die Organisatoren der Ausstellung in München [15.12.2013]

Zensur-Versuch gegen Nakba-Ausstellung in München Die neuerliche Kampagne gegen die Nakba-Ausstellung an der Münchener Montessori-Fachoberschule, veranlasste das IPK dazu, den im folgenden abgedruckten Brief zu entwerfen, der zur Unterstützung an die Verantwortlichen gesendet werden sollte.
Dem kamen diese erfreulicherweise mit einem offenen Brief zuvor, in dem sie ihre Unterstützung für die Ausstellung bekräftigten.


Sehr geehrte Damen und Herren,

wie wir von Frau Ingrid Rumpf erfahren haben, trifft Ihre Absicht die Ausstellung 'Die Nakba' zu zeigen auf erbitterten Widerstand.

Die uns bislang bekannt gewordenen Vorwürfe gegen die Ausstellung sind entweder schlicht irrelevant, falsch oder das Ergebnis einer böswillig verzerrten Wahrnehmung der Kritiker.

Da wir das im Rahmen eines Briefes nicht im einzelnen vorführen können, beschränken wir uns hier auf drei Feststellungen:

1. Ein europäisch-jüdischer Staat konnte in dem mehrheitlich von arabischen Muslimen und Christen bewohnten Palästina nur durch Gewalt und Vertreibung errichtet werden.
2. Die Palästinenser sind nicht für die abscheulichen Verbrechen verantwortlich, die von Christen über die Jahrhunderte hinweg an den Juden Europas begangen wurden,
3. Der deutsche Versuch, sich durch die 'Opferung' der Palästinenser vom Holocaust zu befreien, stellt einen weiteren Missbrauch der Opfer des Holocaust dar.

Für all jene, die ihr Seelenheil in der Fetischisierung Israels und der Dämonisierung der Palästinenser gefunden haben, hält die Nakba-Ausstellung sicher einige unangenehme Überraschungen bereit.

Darauf kann jedoch keine Rücksicht genommen werden, wenn der Konflikt in Palästina jemals ein Ende nehmen soll. Denn eine notwendige Voraussetzung für ein friedliches und gleichberechtigtes Zusammenleben von Juden, Muslimen und Christen in Palästina besteht darin einen Prozess in Gang zu setzen, der dazu führt, dass sich die israelischen Besatzer den geschichtlichen Tatsachen stellen und sich von den von ihnen gepflegten Geschichtklitterungen trennen.

Die Nakba-Ausstellung ist ein Teil dieses Prozesses. Sie ist ein Stück Aufklärung, die den Konflikt aus der palästinensischen Perspektive zeigt und einen Anstoss dazu liefert sich konstruktiv mit dem Konflikt in Palästina auseinanderzusetzen. Sie zu zeigen ist daher kein Akt des Antisemitismus, sondern ein Akt der Solidarität mit den Menschen in Palästina, die sich für ein friedliches Zusammenleben zwischen Juden, Muslimen und Christen in Palästina einsetzen.

Mit freundlichen Grüßen
IPK-Vorstand

 (ts)

Ergänzende Links:
Stellungnahme der Organisatoren Montessori-Fachoberschule in München

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