Institut für Palästinakunde
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Tchibo/SodaStream: Verkauf von Siedlungsprodukten stoppen! [01.02.2014]

Entwurf für eine Email an service@tchibo.de und info@tchibo.de

SodaStream Boycott „Sehr geehrte Damen und Herren,

mit Erschrecken habe ich in Ihrem online-shop den Artikel „SodaStream Crystal“ entdeckt.

Die heftige öffentliche Auseinandersetzung zwischen der Entwicklungshilfeorganisation „Oxfam“ und der Schauspielerin Scarlett Johansson um einen Werbevertrag für die Firma SodaStream in den letzten Wochen dürfte Ihnen nicht entgangen sein. Hierzu schreibt z.B. die „Welt“ am 29.01.2014:

„Ein Werbevertrag mit der israelischen Firma SodaStream sorgt für Aufregung. SodaStream produziert handliche Geräte, die in der heimischen Küche Leitungswasser mit Kohlensäure anreichern. Doch eine der wichtigsten Produktionsstätten der Firma liegt im Industriepark Mishor Adumim, im von Israel besetzten Westjordanland.

SodaStream produziert an einem Ort, den sowohl John Kerry als auch Präsident Obama als "nicht legitim" und "ein Hindernis für den Frieden" bezeichnet haben. Und das wurde der Schauspielerin auch prompt zum Vorwurf gemacht.“
(Scarletts Wasserblasen im nicht legitimen Gebiet, Welt)

Oxfam hat diesen Werbevertrag heftig kritisiert: „Wir sind gegen jede Wirtschaftsbeziehung zu den israelischen Siedlungen, die nach internationalem Recht illegal sind. Oxfam glaubt, dass Geschäfte wie die von Sodastream, die in (jüdischen) Siedlungen tätig sind, die fortwährende Armut und Rechtlosigkeit der Palästinenser-Gemeinden fördert, die wir unterstützen.“ (Scarlett Johansson verlässt Oxfam, tagesspiegel)

Scarlett Johansson hat ihr ehrenamtliches Engagement als Welt-Botschafterin für Oxfam mittlerweile beendet.

Die Hauptproduktionsstätte von SodaStream liegt in der illegalen Industriesiedlung „Mishor Adumim“ in der besetzten Westbank. Dieser Industriepark wurde 1974 gegründet und sollte auf 1100 Hektar östlich von Jerusalem entstehen. Schließlich wurden aber insgesamt 7500 Hektor teilweise enteignet, um Wohnraum für "Arbeiter, deren Arbeit sich in der Nähe befindet" zu schaffen. Ein Jahr später entstand die Siedlung Maale Adumim, heute mit 35.000 Einwohnern eine der größten Siedlerstädte in der besetzten Westbank. Die Siedlung verdankt in diesem Fall also dem Industriegebiet erst ihre Entstehung. Auch die von SodaStream entrichtete Grundsteuer geht natürlich an die Siedlung, die damit Straßen oder einfach Häuser baut und damit ihre Existenz zementiert.

Dort, wo jetzt Mishor Adumim steht, existierten einst sieben palästinensische Dörfer. Die Siedlung Maale Adumim gehört zum sogenannten E1-Gebiet, das einem Strategieplan des kürzlich verstorbenen Ariel Sharon folgt. Dieser hatte vorgesehen, E1 – zwischen Jerusalem und der Westbank gelegen – zu konfiszieren und zu besiedeln. Würde E1 weiter ausgebaut werden, können Palästinenser künftig keine Straßen mehr zwischen Jerusalem und dem an Maale Adumim angebundenem Land benutzen, das den Norden mit dem Süden verbindet. (Zisch und weg, dreiecksbeziehung)

Die Illegalität der israelischen Siedlungen wurde zuletzt auch von der europäischen Kommission durch die Verabschiedung neuer Richtlinien zur Förderungsfähigkeit israelischer Körperschaften bekrätigt:

„Leitlinien über die Förderfähigkeit israelischer Einrichtungen und ihrer Tätigkeiten in den von Israel seit Juni 1967 besetzten Gebieten im Hinblick auf von der EU finanzierte Zuschüsse, Preisgelder und Finanzinstrumente ab 2014 [2013/C 205/05]“
(Leitlinien zur Förderung israelischer Einrichtungen in den besetzten Gebieten, EU)

Ich fordere Sie auf, die Zusammenarbeit mit der Firma SodaStream einzustellen und den Artikel „SodaStream Crystal“ aus Ihrem Sortiment zu nehmen.“

Viele Grüße
H.

 (ts)

Ergänzende Links:
SodaStream Boycott

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