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'Die zionistischen Wurzeln der israelischen Anti-afrikanischen Pogrome' von Tony Greenstein [16.06.2012]

The Zionist Roots of Israel’s anti-African Pogroms

Der wesentliche Unterschied zwischen dem Rassismus in Israel und dem in anderen westlichen Staaten liegt darin, so Greenstein, dass sogar dessen primitivste biologistische Variante von der politischen Führung Israels ganz unmittelbar gestützt wird.

Der folgende Artikel verdient die Weiterverbreitung, obwohl ich nicht mit allem darin einverstanden bin. Insbesondere zeigt er nicht die Verbindung zwischen der "Bedrohung unserer Identität", von der Netanjahu spricht, und dem zionistischen Ziel, der Schaffung eines rein jüdischen Staates. Wo Friedman über den "israelischen Rassismus (den es überall gibt)" spricht, ignoriert sie die Besonderheiten Israels, insbesondere den Rassismus. Der Zionismus zielt darauf ab, die Nichtjuden, speziell die indigene Bevölkerung, aus Israel auszugrenzen, um einen jüdischen Staat zu schaffen. Das ist es, was die rassistischen Pogrome antreibt und, nachdem was Friedman berichtet, den Beinah-Lynchmord in Eilat.

Niemand bestreitet, dass Rassismus gegen Asylsuchende überall in Europa existiert. Doch Israel ist einzigartig darin, dass sein politisches System den Rassismus antreibt, und Mitglieder der Regierung, vom Premierminister abwärts, ihr Bestes tun, um den Mob zu unterstützen und mit ihm sympathisieren - und gleichzeitig nichts zu tun, um dessen grundlegende Annahmen zu bekämpfen. Wenn der regierende Innenminister erklärt, dass Israel ein Land für 'Weiße' sei und Afrikaner mit "Krebs" gleichgesetzt werden, dann weiß man, dass man es dem urtümlichsten und rückständigsten biologistischen Rassismus zu tun hat, gekleidet in ein religiöses Gewand. Selbst in den rückständigsten und reaktionärsten europäischen Staaten, wie den baltischen Republiken, Kroatien und die Ukraine hat man kein derart aktives und offenes Niveau bei der Unterstützung nackt rassistischer Angriffe erreicht.

Israel kann sich wenigstens eine Errungenschaft zugute halten. Es hat die jüdischen Opfer von Pogromen in Täter verwandelt. Was das wieder einmal zeigt ist, dass Rassismus keine Eigenschaft einer bestimmten Gruppe ist und dass auch das Opfersein nicht für eine bestimmte Gruppe reserviert ist. Wenn der Zionismus Gegner des zionistischen Rassismus als "antisemitisch" verleumdet, dann lässt er nicht nur die wirklichen Antisemiten entkommen und nutzt zynisch das Leid der vorangegangenen Generationen von Juden aus, sondern er zeigt auch, dass die Unterdrücker von morgen die Unterdrückung von gestern benutzen können. Darin liegt nichts einzigartiges. Apartheid-Apologeten in Südafrika nutzten regelmäßig die Tatsache, dass die ersten Konzentrationslager in der Welt britisch waren, errichtet um die Buren gefangen zu halten.

Vielleicht am schockierendsten unter den jüngsten Anschlägen war der Beinah-Lynchmord an einem afrikanischen Hotelangestellten in Eilat. Er wurde von sieben männlichen Gäste durchgeführt, und wenn nicht zwei Wachmänner eingegriffen hätten, dann wäre er aus einem Fenster im fünften Stockwerk in den sicheren Tod gestürzt worden. Was war die Reaktion der Polizei? Sie entliess die Männer aus dem Hausarrest. Denn, so erklärte die Polizei, "Das waren normale Leute, die nicht betrunken waren und keine Vorstrafen hatten". Und er hätte hinzufügen können, dass sie keine Palästinenser waren, denn in diesem Fall hätten wir sie eingesperrt und den Schlüssel weggeworfen.

Was wir auch sehen ist die Vermischung aller Afrikaner, einschließlich der äthiopischen Juden. Äthiopische Juden, auf die sich der unten stehende Artikel bezieht, werden zunehmend mit den 'Infiltratoren' in einen Topf geworfen. Die Immigration der Falaschas, äthiopischer Juden, nach Israel wurde vor über einem Jahrzehnt wegen der rassistischen Reaktionen "weißer" israelischen Juden gestoppt. Schwarzen wird von Vielen, vor allem von religiös Orthodoxen, unterstellt, dass sie keine Juden sein könnten. Wie man so sagt, alles kommt irgendwann wieder.

Tony Greenstein

 (ts)

Ergänzende Links:
The Zionist Roots of Israel’s anti-African Pogroms (T. Greenstein)
Israeli civics exam: explain why Jewish girls shouldn’t hang around with Arabs (T. Greenstein)

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