Institut für Palästinakunde
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Jürgen Roters & 'Breaking the Silence'
Der Bock mimt den Gärtner [19.06.2015]

'Kölner Arbeitskreis Israel-Palästina bereitet Präsentation für 2016 vor' Am 12. Juni erfuhr die Öffentlichkeit aus der ZEIT, dass ein Brief der israelischen Botschaft ausgereicht hatte, um Kölns OB Jürgen Roters (SPD) dazu zu bewegen, eine für den Oktober geplante 'Breaking the Silence'-Ausstellung an der Kölner VHS abzusagen.

Nachdem Roters für seinen vorauseilenden Gehorsam zunehmend unter Beschuss geriet, liess er am 16. Juni eine Presseerklärung verbreiten, die wie folgt begann:
"Zur Diskussion um die Ausstellung "Breaking the Silence" - Kölner Arbeitskreis Israel-Palästina bereitet Präsentation für 2016 vor …".

Darob meldete die Presse so wie von Roters gewünscht: „Breaking the Silence“-Ausstellung findet doch in Köln statt" und brachte den OB so aus der Schusslinie.

Was bei dieser Meldung unterging war, dass die erste bekannt gewordene Aktivität des 'Kölner Arbeitskreis Israel-Palästina' in dem Versuch bestand, die 2012 im Kölner Allerweltshaus logierende 'nakba'-Ausstellung ('nakba', arab. für Katastrophe) zu verhindern. (Eine Ausstellung von Schautafeln, die sich mit der Vertreibung von rund 90% der Palästinenser befasst, die 1948 im Rahmen des sogenannten israelischen Unabhängigkeitskriegs stattfand. Eine Ausstellung, die trotz integrer Fürsprecher bis heute überall auf den erbitterten Widerstand der allerorts auftretenden 'Freunde Israels' stösst.)

Und der erste Unterzeichner dieser Anstrengung war niemand anderes als Jürgen Roters! Der Bock will der Gärtner sein.

D.h., die Spezialisten zur Behinderung von Israel-kritischen Veranstaltungen in Köln, der Kölner Arbeitskreis Israel-Palästina, der behauptet "offene... Veranstaltungen" zu planen, um "durch Information und Dialog politische Bildungsarbeit" zu leisten - und Jürgen Roters sind bis zu einem gewissem Grad ein und dasselbe.

Tatsächlich besteht der 'Arbeitskreis' natürlich nicht nur aus Jürgen Roters: Alle zwölf 'Israel-Freunde', die 2012 den Aufruf gegen die 'nakba'-Ausstellung unterschrieben haben, werden heute als Mitbegründer des 'Arbeitskreises' auf dessen Webseite aufgeführt, die - welch eine Überraschung - Teil des Internet-Auftritts der Stadt Köln ist.

Mit Ausnahme des 'Verein zur Förderung der Städtepartnerschaft Köln-Bethlehem e. V.' ist der 'Kölner Arbeitskreis Israel-Palästina' damit fast ebenso araberfrei, wie die Jubelveranstaltung der Stadt Köln zur Feier der Aufnahme der Beziehungen zwischen Köln und der Tel-Aviv/Jaffa, genau so wie von der israelischen Botschaft gewünscht.

Dank solcher Netzwerke kann die israelische Armee weiterhin straflos palästinensische Zivilisten zu hunderten massakrieren, ganze Stadtviertel in Schutt und Asche legen - und darauf bauen, dass deutsche Qualitätsmedien die Lügenpropaganda der israelischen Armee anstandslos (!) abdruckt.

 (ts)

Ergänzende Links:
Breaking the Silence exhibition thwarted in Germany (ynet)
Erklärung des Kölner Arbeitskreis Israel-Palästina zur "Nakba-Ausstellung" in Köln (ak, 2012)
Selbstdarstellung des 'Kölner Arbeitskreis Israel/Palästina' (koeln)

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