Institut für Palästinakunde
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'Schildkrötenwut' – ein Film von Pary El-Qalqili [04.04.2012]

Pary ElQalqili: Regisseurin von 'Schildkrötenwut'

von Katharina Kretzschmar

Die deutsch-palästinensische Regisseurin Pary ElQalqili hat mit ihrem Dokumentarfilm Schildkrötenwut einen eindrucksvollen Film über eine Vater-Tochter-Beziehung, die gemeinsame Auseinandersetzung und den Versuch einer Annäherung gedreht.

Gemeinsam mit ihrem palästinensischen Vater macht sie sich in dem Film auf Spurensuche in seine Heimat und dokumentiert auch sein Leben im wintergrauen Berlin, welches in deutlichem Kontrast erscheint. Auffällig auch der Wesensunterschied des Vaters in Berlin und in seiner Heimat. Ob an israelischen Grenzposten oder in der Konfrontation mit seinem ehemaligen Haus, in das er nicht mehr zurückkehren durfte, Musa scheint freier und jünger während dieser Reise. Die Bilder sind intensiv, ebenso die Gespräche, die die beiden in einem Kellerraum führen.

In der wiederkehrenden Szene in dem kargen Raum finden die Gespräche der beiden statt, die gleichsam, die Grenzen der Kommunikation aber auch die ungebrochene Zuneigung der Tochter für ihren Vater zeigen. Oftmals scheint eine Verständigung schwierig, erscheint das Erlebte des traumatisierten Vaters nicht vermittelbar und doch schmerzlich spürbar.

Der Film regt zum Nachdenken an, über das Leben eines Menschen zwischen Heimat und Migration, dem Wunsch nach Rückkehr und der Resignation über den nicht endenden Konflikt im Nahen Osten. Er zeigt aber darüber hinaus auch, welches emotionale Gepäck Eltern unbewusst an ihre Kinder weitergeben und deren Hilflosigkeit gegenüber diesem oft tabuisierten Erbe. Pary El-Qalqili tritt dieser Hilflosigkeit mit ihrem eindrucksvollen Film entgegen auch wenn sie sich damit mit ihrer eigenen Familiegeschichte auseinandersetzen musste.

Der Film nimmt nun an verschiedenen Festivals teil. Am Samstag, dem 21. April wird er in Köln beim Internationalen Frauenfilmfestival im Rahmen des diesjährigen Länderschwerpunkts What's going on? Die arabische Welt zu sehen sein. Gezeigt wird er um 18 Uhr im Filmforum NRW (im Museum Ludwig), Bischofsgartenstraße 1, 50667 Köln. Außerdem wird er im April an dem Vision du Réel - Festival international de cinema in Nyon teilnehmen und im Mai in München bei dem Internationalen Dokumentarfilmfestival.

Auf der Facebookseite zum Film kann man sich – auch ohne Facebookmitglied zu sein– über die aktuellen Termine informieren.

 (ts)

Ergänzende Links:
Schildkrötenwut (facebook)

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