Institut für Palästinakunde
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Weinthal et al.: Reden über "Antisemitismus", Schweigen über die Verbrechen an den Palästinensern
Die Hexenjagd auf Christoph Glanz und die BDS-Kampagne [11.09.2016]

Der Oldenburger Lehrer und Palästina/BDS-Aktivist Christoph Glanz droht zu einem weiteren Opfer der Israel-Lobby zu werden. Der ist es dank ihrer Netzwerke hinein in die Spitzen der Politik und der Verwaltung - teils auch mit der Androhung physischer Gewalt - nicht gelungen nur sämtliche von Glanz in Oldenburg geplanten Palästins-Veranstaltungen zu Fall zu bringen.

Nachdem Glanz diesen Skandal ausgerechnet in einer Publikation der GEW (!) publik machte, setzte eine Hexenjagd auf seine Person sowie auch auf die GEW ein.
Das Ziel besteht offenbar darin ihn beruflich zu ruinieren - oder/und mit entsprechenden Drohungen zum Schweigen zu bringen. Ähnliches ist der Israel-Lobby in der Vergangenheit mit Ludwig Watzal, damals Redakteur des 'Bundeszentrale für Politische Bildung', gelungen, der 2008 nach einer internationalen Kampagne beruflich auf das Abstellgleis geschoben wurde.

Die Kampagne gegen Glanz und BDS kommt natürlich ohne jedwede Erwähnung der Verbrechen aus, die der israelische Staat seit Jahrzehnten tagtäglich an den Palästinenser begeht - die den Grund für BDS bilden.
An deren Stelle tritt vielmehr die ebenso substanzlose wie gebetsmühlenartige Wiederholung der Diffamierung von Glanz und BDS als "antisemitisch". Die Kronzeugen für die Anschuldigung sind regelmässig selbsternannte 'Nahost-Experten', die sich vor allem dadurch auszeichnen, dass sie die Verbrechen an den Palästinensern unablässig leugnen, verteidigen oder bejubeln.

Ihre Qualifikation besteht im wesentlichen darin, ihre Antisemitismus-Befunde durch ihr Jüdisch-Sein mit der notwendigen Authentizität zu versehen - so z.B. Knobloch, Stawski und das Simon Wiesental-Zentrum - oder/und in der Fähigkeit falsche Analogie-Schlüsse zu "Beweisen" zu erklären, ohne dabei mit der Wimper zu zucken - so z.B. Feuerherdt. So wie diese Herrschaften zu "beweisen" vermögen, dass die eigene Katze ein Hund ist - "Meine Katze hat vier Beine, ALLE Hunde haben vier Beine - also ist meine Katze ein Hund!" - so gelingt es ihnen den Antisemitismus von BDS zu beweisen : "BDS-Aktivisten fordern den Boykott des 'Jüdischen Staats', Nazis haben Juden boykottiert - also sind BDS-Aktivisten Nazis!".

Ein authentisches Beispiel für diese Art der Diffamierung ist die "Arbeit" Benjamin Weinthals. Ein Israel-Lobbyist eines amerikanischen Neocon-Thinktanks, der sich mithilfe der Jerusalem-Post als 'Journalist' ausgibt.


Shalom Herr Glanz,

mein Name ist Benjamin Weinthal und ich bin der Europa-Korrespondent der Jerusalem Post,Israels größter englischer Zeitung.

Ich arbeite an einem Text über die Boykott-Bewegung (BDS) gegen den jüdischen Staat.

Antisemitismus-Experten in Deutschland und jüdische Vertreter von Oldenburg und Hamburg haben Sie heute mir gegenüber in Gesprächen als Antisemit bezeichnet.

Das Simon Wiesenthal Zentrum, eine Menschenrechtsorganisation, hat ihre Haltung gegenüber Juden und dem jüdischen Staat scharf kritisiert.

Sacha Stawski, der Vorsitzender der Organisation Honestly Concerned in Frankfurt, die gegen modernen Antisemitismus kämpft, sagte mir:

"Gemäß der ehemals von der EUMC (später FRA) verfaßten Antisemitismusdefiniton, wie auch der 3-D Definiton von Nathan Scharansky, die als solches auch vom Deutschen Bundestag verabschiedet wurde, sind die Veröffentlichungen und Zitate von Christoph Galanz bei electronicintifada und auf den Seiten von BDS Deutschland eindeutig antisemitisch. Demnach ist Christoph Glanz sogar so etwas, wie ein Musterantisemit. Er dämonisiert Israel, wendet einen Doppelstandard in Bezug auf das Land an und er delegitimiert die Existenz des jüdischen Staates. Es ist eine Schande, wenn man ihn laut Gerichtsurteil nicht mehr als solches nennen dürfen sollte. BDS hat nichts mit Meinungsfreiheit zu tun und ist zurecht in vielen US Bundesstaaten und einzelnen Ländern weltweit verboten worden. Es ist schlimm, das ausgerechnet in Deutschland BDS weiterhin frei agieren kann und zum Boykott des Jüdischen Staates aufrufen kann, ohne dafür belangt zu werden. "

Frau Charlotte Knobloch, die Chefin der Jüdischen Gemeinde zu München, hat mir in Bezug auf BDS gesagt:

Die BDS-Kampagne tarnt das sozial nicht adäquate "Kauft nicht bei Juden!" als modernisierte Form des Nazijargons in der Forderung "Kauft nicht vom jüdischen Staat!" Es ist davon auszugehen, dass zu einem umfassenden Boykott gegen Israel aufgerufen wird - wirtschaftlich, wissenschaftlich, kulturell und alle Lebensbereiche betreffend. Als Demokraten müssen wir andere Meinungen akzeptieren. Aber ich halte es für inakzeptabel, dass solche anti-israelischen Veranstaltungen - wie im Übrigen auch die Palästinensertage, die wir seit Jahren kritisieren - in städtischen Räumlichkeiten abgehalten werden."

Alex Feuerherdt, ein Journalist, der über den modernen Antisemitismus schreibt, sagte mir:

Der angebliche Einsatz der BDS-Aktivisten für Frieden, Freiheit und Humanität ist nichts als ein rhetorischer Trick, um den Antisemitismus im Allgemeinen und den Hass auf Israel im Besonderen zu bemänteln. Um die Palästinenser geht es dabei gar nicht, sie sind nur ein Mittel zum Zweck. Ginge es den BDS-Aktivisten wie Christoph Glanz um das Wohl der Palästinenser, dann müssten sie sowohl die islamistische, antisemitische Hamas (und andere palästinensische Terrorbanden wie den Islamischen Dschihad) als auch die korrupte und nicht weniger antisemitische Fatah einer kompromisslosen Kritik unterziehen und deutlich machen, dass sie es sind, die den Palästinensern die Freiheit nehmen und die Menschenrechte täglich mit Füßen treten.
Dass das nicht geschieht ? sondern diese Organisationen sogar von den antiisraelischen Aktivisten und ihren Gruppierungen unterstützt werden ?, zeigt deutlich, worum es bei den Kampagnen gegen den jüdischen Staat eigentlich geht. Vordergründig wird der jüdische Staat dafür kritisiert, was er tut. Vordergründig geht es um Besatzung, Flüchtlinge, Krieg. Doch bei näherem Hinsehen bleibt es nicht dabei, sondern es wird deutlich, dass es nicht darum geht, was Israel tut oder lässt, sondern darum, dass Israel überhaupt existiert. Die radikalen Kräfte der Boykottbewegung sehen ganz Israel als besetztes arabisch-palästinensisches Land an, und die vermeintlich weniger radikalen Kräfte widersprechen nicht. Die Boykotte dienen nicht den Palästinensern, sondern sie richten sich per Selbstzweck gegen Israel. Sie sind also kein Mittel, sondern bereits ein Teil des Ziels. Und sie sind ? auch das sollte so deutlich wie möglich gesagt werden ? nichts als blanker Antisemitismus.

Die BDS-Kampagnen sind ein fester Bestandteil des Kampfes gegen Israel, der an verschiedenen Fronten und mit verschiedenen Waffen geführt wird: mit Attentaten, Bomben und Raketen im Nahen Osten, mit Boykottaktivitäten und Kampagnen in Europa und Nordamerika. Die "Antizionisten" teilen sich gewissermaßen die Arbeit, um den militärisch bislang überlegenen Gegner zu Fall zu bringen: Während die einen Israel mit militärischer Gewalt angreifen, treiben die anderen unter missbräuchlicher Berufung auf die Menschenrechte die internationale Dämonisierung und Delegitimierung des jüdischen Staates voran ? "Lawfare" nennt man das.

Dass Christoph Glanz nun auch in einer Gewerkschaftszeitung seine israelfeindlichen Positionen verbreiten darf, ist ein Skandal. Sein Einsatz für einen Boykott Israels ist kein Plädoyer für Frieden, sondern im Gegenteil für Hass.

Meine Fragen lauten:

Warum benutzen Sie den Namen Christopher Ben Kushka statt ihren richtigen Namen?

Sind Sie ein Antisemit?

Wie finden Sie die Kritik an ihrer BDS-Arbeit?

Ist BDS-Oldenburg eine antisemitische Organisation

Unterrichten Sie BDS und über Israel und Palästina an der Integrierte Gesamtschule Flötenteich?

Wenn ja, können Sie mir bitte ihr Material zusenden?

Ist Antisemitismus an der Schule geduldet?

Ich will meinen Text am Samstag um 18:00 Uhr abgeben.

Können Sie bitte bestätigen,dass meine Presseanfrage angekommen ist.

Beste Grüße,

Benjamin Weinthal


Shalom Herr Glanz,

Dr. Elvira Grözinger, ein Mitglied der deutschen Sektion Scholars for Peace in the Middle East, hat Sie kritisiert.

Dr. Elvira Grözinger sagte:

Herr Glanz scheint tote Juden mehr als die lebenden zu mögen, da er sich auf die Opfer der Shoah bezieht.
Leider folgt er dem Muster jener Deutschen, die die Israelis gern als Täter sehen und so die deutschen Verbrechen an den Juden relativieren. Außerdem ignoriert er die Geschichte des arabisch-israelischen Konflikts, indem er die einseitigen und nicht korrekten Fakten von Pappe übernimmt, den die Universität Haifa 2002 wegen seines akademisch unethischen Verhaltens entlassen hatte. Glanz disqualifiziert er sich zudem als Lehrer, der einseitig antiisraelische Position übernimmt und nicht zugleich Bezug auf andere, objektivere Quellen, etwa bei Benny Morris, nimmt.
Es gab keine unzähligen Fischerdörfer an vor dem Unsbhängigkeitskrieg an der Küste, weil das Gebiet nicht dicht besiedelt war!!

Wie finden Sie die Kritik von Dr. Elvira Grözinger?

Ich freue mich auf die Auskunft.

Beste Grüße,

Benjamin Weinthal ‚Äč

 (ts)

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