Institut für Palästinakunde
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Deutsche Medien als willige Helfer israelischer Kriegsverbrecher (I) [08.07.2014]

Ohne Worte Das nun bereits angelaufene israelische Massaker an den Palästinensern Gazas bietet deutschen Agenturen und Medien erneut die Möglichkeit sich als willfährige Propagandisten der in Israel regierenden Kriegsverbrecher zu bewähren. Ihre Aufgabe besteht darin, die mörderische Realität derart zu entstellen und zu verzerren, dass die israelischen Kriegsverbrecher als Opfer der von ihnen massakrierten Palästinenser erscheinen.

Keine unlösbare Aufgabe für die große Mehrheit der deutschen Berichterstatter, die professionelle journalistische Standards und ihr Berufsethos schon lange über Bord geworfen haben, und die darin geübt sind sich sklavisch an das 1x1 der 'Israel-Berichterstattung' zu halten.

'Israel-Berichterstatter', die über die rotzige Schamlosigkeit verfügen, um vor den Bildern von Explosionen israelischer Bomben über dem von Israel seit vielen Jahren belagerten und beschossenen Gazastreifen zu erklären, dass Israel doch nicht einfach tatenlos zusehen könne, wie seine Bürger mit Granaten und Raketen beschossen würden.

Das 1x1 der 'Israel-Berichterstattung'

1. Bei der Berichterstattung ist immer wieder zu betonen, dass die Israelis ein Recht auf ein unbedrohtes Leben in Freiheit, in einem eigenen Land hätten.
Dass sie die Freiheit und das Land den Palästinensern geraubt haben ist tabu.

2. Israelische Überfälle sind immer als 'Reaktion', als 'Antwort' oder als 'Vergeltung' auf vorangegangenen palästinensische Angriffe darzustellen. (Begriffe die für die Beschreibung palästinensischer Angriffe tabu sind.)
In anderen Worten: palästinensische Angriffe müssen als irrationaler, durch nichts zu rechtfertigender Terror erscheinen.

3. Um die etwaige Fragen nach Ursache und Wirkung jenseits israelischer 'Reaktionen' zu vermeiden, sind immer Begriffe zu verwenden, die ohne jedwede Kausalität auskommen.
Dazu geeignet sind Begriffe wie 'Gewaltspirale', 'Kreislauf der Gewalt', 'Teufelskreis' oder 'Eskalation'.

4. Berichte über israelische Kriegsverbrechen an Palästinensern sind tabu.
Wenn das nicht zu vermeiden ist, sind die Leugnungen und Rechtfertigungen israelischer Behörden ungekürzt und unkommentiert abzudrucken. (Die Veröffentlichung von Erklärungen oder Rechtfertigungen des bewaffneten palästinensischen Widerstands ist tabu.)
Um Diskussionen zu vermeiden, müssen israelische Bombenziele immer als 'HAMAS-Ziele' bezeichnet werden. Sollte es sich dabei um Schulen, Kindergärten oder Moscheen handeln, dann muss von 'Waffenlagern der HAMAS' die Rede sein.

5. Bei allen Darstellungen israelischer Gewalt muss mit möglichst sterilen Begriffen operiert werden.
Israelische Überfälle sind immer als 'Militäroperationen' zu bezeichnen. Bei der Bomdardierung eines Wohnhauses, muss z.B. von einem 'Luftschlag' auf ein 'militärisches Ziel der HAMAS' die Rede sein. Getötete Palästinenser sind dazu entweder 'Terroristen' oder 'menschliche Schutzschilde'.

6. Israel begeht keine "Kriegsverbrechen".
Derartige Vorfälle sind zunächst zu leugnen und - wenn nötig - als 'Unfälle' zu bezeichnen. Wenn das nicht glaubwürdig wirkt muss behauptet werden, dass Israel durch den palästinensische Widerstand zu der jeweiligen Tat gewungen wurde; d.h. Israel wurde Opfer des palästinensischen Widerstands.
Palästinensischen Opfern ist zu unterstellen, dass sie 'menschliche Schutzschilde' gewesen seien, für deren Ermordung Israel keine Verantwortung trägt.

7. Der bewaffnete Widerstand von Palästinensern ist immer als 'Terror' zu verdammen. Bewaffnete Palästinenser sind immer 'militant', 'extremistisch' oder 'radikal-islamisch', um an das hierzulande weit verbreitete islamophobische Ressentiment anzuschliessen.
Setzen Israelis Waffen gegen Palästinenser ein, so ist das immer als ein von 'Zurückhaltung' getragener Akt der 'Selbstverteidigung' darzustellen. (Israelis sind auch niemals 'militant', 'extremistisch' oder 'radikal-jüdisch'.)

8. Die von dem palästinensischen Widerstand ausgehende militärische Bedrohung muss immer massiv übertrieben werden, um die Massaker an den Palästinensern als 'Krieg' oder 'Konflikt' bezeichnen zu können.
Wenn zum Beispiel irgendwo eine der palästinensischen Do-it-yourself-Raketen auf freiem Feld niedergeht, so muss in dem Bericht von einem 'Angriff' die Rede sein.

9. Israel ist als eine völlig zivile, geradezu pazifistische Gesellschaft darzustellen, deren Armee allein der Verteidigung dient. Begriffe wie 'Besatzer', 'Besatzung' oder 'Vertreibung' sind tabu.
Die palästinensische Gesellschaft ist als primitiv, agressiv, militant und fundamentalistisch darzustellen. Eine Gesellschaft in der es etwa keine Zivilisten gibt, die unter den Schutz der Genfer Konvention fallen könnten.
D.h. - Palästinenser sind entweder HAMAS-Terroristen oder HAMAS-Unterstützer.

10. Palästinenser, die offensichtlich Opfer israelischer Gewalt wurden, sind als Opfer des palästinensischen Widerstands darzustellen. Denn - ohne den Widerstand wären sie nicht das Opfer israelischer Gewalt geworden, also sind sie eigentlich Opfer des palästinensischen Widerstands!

11. Zur Delegtimierung des palästinensischen Widerstands ist der Eindruck zu erwecken, dass der Widerstand der Palästinenser nicht etwa auf handfeste Gründe zurück zu führen ist (etwa auf die Besatzung), sondern auf die perfiden Verführungs- und Manipulationskünste verantwortungsloser palästinensischer Führer.

12. Palästinensische Interview-Partner oder Autoren sind tabu. Bei Nachfragen ist zu erklären, Palästinenser seien 'nicht ausgewogen' oder 'einseitig'. (Israelis sind hingegen immer 'ausgewogen'.)
Ausnahmen gelten für palästinensische Kollaborateure, die israelischen Positionen zusätzliche Glaubwürdigkeit verschaffen.

13. Die Berichterstattung über die Folgen israelischer Kriegsverbrechen für die getroffenen Palästinenser ist tabu. Berichtenswert ist allein das Leid der israelischen Zivilbevölkerung - sei es auch auch nur der Stress durch das Geheul von Sirenen - um die Massaker an Palästinensern zu rechtfertigen.

14. Von Zeit zu Zeit ist homöopathisch dosierte Kritik an Israel zu üben, um der Berichterstattung Glaubwürdigkeit zu verleihen. Die Kritik muss oberflächlich und unbedeutend sein.
Besonders glaubwürdig wirken Interviews mit ehemaligen israelischen Botschaftern, die Israel als pluralistische Demokratie erscheinen lassen.

Mit dieser Mischung aus Auslassungen und Übertreibungen ist es angesichts der beinahe 100%'igen Gleichschaltung deutscher Medien problemlos möglich, israelische politkriminelle Nationalisten, Rassisten und Kriegsverbrecher als Patrioten und Opfer der von ihnen ausgeraubten und ermordeten Palästinenser erscheinen zu lassen.

 (ts)

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