Institut für Palästinakunde
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Bonner Studierendenzeitung: Israel hat ein Recht auf Vertreibung und Apartheid [19.10.2019]

Israel hat ein Recht auf Vertreibung und Apartheid In ihrer letzten Ausgabe (Nr. 52) gab die Studierendenzeitung des Bonner AStAs („Frie­drichs Wilhelm“) dem Mitherausgeber Clemens Uhing die Möglichkeit, den Protest von Palästinensern zusammen mit Vertretern der mit ihnen solidarischen Zivilgesellschaft in Bonn gegen Israels Apart­heids- und Vertrei­bungs­regime als antisemitisch zu diffamieren und dessen Verbrechen an den Palästinensern zu rechtfertigen.

Wer sich ernsthaft mit dem Nahen Osten befasst, kann die Verbrechen die der vermeintlich jüdische Staat seit Jahrzehnten an den Palästinensern begeht nicht übersehen: die staatlich organisierte massenhafte Freiheitsberaubung, Misshandlung, Folterung und Ermordung von Palästinensern, mit dem Ziel sie zu vertreiben und ihres Besitzes zu berauben. Denn diese Verbrechen sind ebenso wie Israels permanente Verletzungen des internationalen Rechts bestens dokumentiert, von inter­natio­nalen Orga­ni­sa­tionen wie "amnesty international" und "Human Rights Watch", von israelischen Organisatio­nen wie "B'tselem", "Machsom Watch", "Adalah", "ACRI" oder „Breaking the Silence“, von trans­nationalen Organisationen wie der Weltbank, der EU und der UN und selbst vom wissen­schaft­lichen Dienst des deutschen Bundestags.

Diese Verbrechen und Rechtsverletzungen sind Teil von Israels politischer DNA. Denn die Etablierung eines europäisch-jüdischen Staats in einem arabischen Land mit einer muslimisch-christlichen Mehrheits-Bevöl­ke­rung, war nur mithilfe unzähliger Verbrechen möglich. Verbrechen, die Israel auch heute, tagtäglich an den Palästinensern begeht, um das mit der Staatsgründung errichtete Apartheidssystem zu konsolidieren und auf die 1967 besetzten Gebiete auszudehnen, das Juden rechtlich, politisch und ökonomisch privilegiert und Palästinenser diskriminiert.

Der seit Jahrzehnten andauernde Widerstand und Protest der Palästinenser gegen Israel ist allein das Resultat dieser Verbrechen. Die Behauptung, dass der Protest und der Widerstand der Palästinenser Folge ihres Anti­semitismus seien, ist eine durchsichtige Schutzbehauptung der israelischen Propaganda.

Wer nun wie Uhing über die Palästinenser schreibt und die israelischen Verbrechen verschweigt, der handelt vorsätzlich. Von den drei möglichen Motiven für das Verschweigen - Erpressung, Bestechung oder Zustimmung – scheiden die beiden ersten aus. Uhing ist ein Überzeugungstäter. Sein Schweigen ist als Zustimmung zu der Vertreibung, Beraubung, Folterung und Ermordung von Palästinensern zu verstehen.
Ein Befund, der durch den Umstand gestützt wird, dass sich Uhing nicht darauf beschränkt, die Verbrechen zu verschweigen. Er legitimiert sie vielmehr, indem er die Palästinenser und ihre Unterstützer nach dem Drehbuch der israelischen Propaganda, mithilfe von Täuschungen, Halb- und Unwahrheiten als Antisemiten diffamiert und die Verbrechen, die mit der Herbeiführung und Aufrechterhaltung einer jüdischen demographischen Mehrheit in Palästina einhergehen, zu einem "Recht" und moralischem (!) Imperativ erklärt.

Fazit

Clemens Uhing vertritt ein rassistisches und völkisches Weltbild, in dem Palästinensern keine Rechte zustehen, weil sie keine hellhäutigen Europäer sind. Die Umarmung Israels und die seiner Propaganda dient ihm allein dazu, sich von jedwedem Antisemitismus freizusprechen und ihn auf die Palästinenser und deren Unterstützer zu projezieren; eine Form von sekundärem Antisemitismus.
Der entscheidendere Punkt ist jedoch, dass es ihm die Umarmung erlaubt, sich als Antifaschist und als Held im Kampf gegen den Antisemitismus auszugeben und damit vollkommen mühelos soziales und politisches Kapital für die eigene Karriere anzuhäufen.

Uhings große Sorge um das Schicksal der Juden ist reine Fassade. Denn Juden, die sich seiner Umarmung verschliessen und mit den Palästinensern solidarisieren, müssen damit rechnen von ihm ebenso als Antisemiten diffamiert zu werden wie die Palästinenser.

 (ts)

Ergänzende Links:
BDS & Friends (C. Uhing, FW)
Viel Interesse bei „Begegnung mit Palästina“! (BDS Bonn)
BDS: Künstliche Fieberschübe, echter Hass (B. Trachtenberg, taz)

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