Institut für Palästinakunde
- IPK -

Start / Aktivitäten / 2017082700

Stellungnahme des IPK e.V. zu der Kampagne des Vereins "Refugees Welcome Bonn e.V." [27.08.2017]

IPK Auf den Seiten des Vereins Refugees Welcome Bonn e.V. findet sich eine Erklärung, in der das 'Institut für Palästinakunde e.V.' (IPK) als 'antisemitisch' bezeichnet wird, unter anderem unter Bezug auf diese Einladung zur Vorführung des Films 'Junction 48' am kommenden Dienstag.

Nach sorgfältiger Prüfung der Erklärung ist das IPK zu dem Ergebnis gelangt, dass die Verfasser dieser Erklärung nicht über die allergeringsten Kenntnisse des Nahen Ostens verfügen und anscheinend nicht in der Lage sind einen einfachen Text zu lesen.

Die Antisemitismus-Vorwürfe gegen das IPK sind jedoch sicher nicht allein durch Inkompetenz und Leseschwäche zu erklären. Viel näher liegt die Vermutung, dass die Verfasser unter einer schweren Form des Sekundär-Antisemitismus leiden, einem Schuldabwehr-Antisemitismus.
Dessen Symptome bestehen in dem zwanghaften Versuch die deutsche Schuld/Verantwortung für den Massenmord an den europäischen Juden auf die Palästinenser abzuwälzen, um dann - zur Steigerung der Entlastung - inbrünstig deren Bestrafung einzufordern und sich daran - wo auch immer möglich - zu beteiligen.


Zu den einzelnen Punkten nehmen wir - dem Text der Verfasser folgend - wie folgt Stellung

Der Rapper Tamer Nafar, der im Film die Figur des Rappers Kareem verkörpert, bezeichnete die israelische Demokratie öffentlich als Nazis und scheute auch nicht vor Holocaustvergleichen zurück.
Der von den Verfassern als Demokratie bezeichnete Staat, hält 1.8 Millionen Palästinenser in Gaza gefangen, er unterwirft die 2.8 Millionen Palästinenser in der Westbank einer Militärdiktatur, er hat 300.000 Palästinenser in dem von ihm illegal annektierten Ost-Jerusalem zu Staatenlosen gemacht und verweigert auch seinen 1.3 Millionen palästinensischen Staatsbürgern essentielle Rechte. (Ganz zu schweigen von den palästinensischen Flüchtlingen.) Uns ist auch nach langem Nachdenken keine andere Demokratie eingefallen, die circa der Hälfte der Bewohner des von ihm kontrollierten Territoriums nach ethnsichen Kriterien fundamentale Menschen- und Bürgerrechte ganz oder teilweise abspricht.

Das IPK lehnt Nazi-Vergleiche für israelische Verbrechen an Palästinensern ab, weil die Situation der Juden im Deutschland der 30er und 40er Jahre eine völlig andere war, als die der Palästinenser in der Hand Israels.
Anders als die Verfasser lehnt es das IPK jedoch ab, unangebrachte Nazi-Vergleiche mit dem Ziel zu skandalisieren, den realen Skandal - das jeweilige Verbrechen an Palästinensern - dahinter zu verbergen.
Verbrechen von israelischer Seite sind auch trotz solcher Vergleiche zu untersuchen und zu ahnden.

Noch erschreckender erscheint uns jedoch Ihre Zusammenarbeit mit dem einschlägig bekannten und für seinen offenen Israelhass berüchtigten sog. „Instituts für Palästinakunde“, eines Privatinstituts, das über keinerlei wissenschaftliche Legitimation verfügt.
Wenn das IPK Israel für die Unterdrückung und Vertreibung von Palästinensern anprangert, dann hat das nichts mit "Hass" zu tun. Solch emotionale Phrasen dienen allein dazu, Israel in eine Opferposition zu bewegen und um seine Kritiker zu verleumden.

Die Mitarbeiter des IPK arbeiten seit zehn bis zwanzig Jahren zu diesem Schwerpunkt - haben das Land bereist, kennen Land und Leute – Israelis sowie Palästinenser - und stützen ihre Wissen auch auf einige Regalmeter Literatur zu dem Thema. Eine weitergehende wissenschaftliche Legitimation wurde weder behauptet noch ist sie hier erforderlich.

Und so liest sich folglich auch das Einladungsschreiben des „Instituts“, in dem in Bezug auf Israel von „ethnischer Säuberung“ die Rede ist.
Dass sich Israel ethnischer Säuberungen schuldig gemacht hat, ist unter Historikern unumstritten. Seit den 90'ern gilt das auch für israelische, sogenannte "neue" Historiker. Auch das weiß ein jeder, der sich in dem Gebiet auskennt – abgesehen von den Verfassern natürlich.

Ausgerechnet für Lydda, den Heimatort des Protagonisten des Films, liefert allein schon wikipedia äusserst reichhaltiges Material. Die grossprecherischen Verfasser haben sich offensichtlich nicht die geringste Mühe gemacht und nicht einmal die einschlägigen wikipedia-Artikel gelesen, wohl weil die Fakten nicht in ihr Israel-Bild passen.

Passage aus dem wikipedia-Artikel Palästinensischer Exodus aus Lydda und Ramle 1948:

Nachdem die Städte eingenommen waren, unterzeichnete Yitzhak Rabin eine Vertreibungsorder für die Israelischen Verteidigungskräfte (IDF) : „1. Die Einwohner müssen schnell ohne Rücksicht auf das Alter....vertrieben werden.“ („The inhabitants of Lydda must be expelled quickly without attention to age.“) Die Bewohner von Ramle wurden mit Bussen abtransportiert, die Bewohner Lyddas dagegen gezwungen, in der Sommerhitze bis zur Frontlinie zu laufen, … . Einige der Flüchtlinge starben während des Marsches an Erschöpfung und Wassermangel, die Schätzungen reichen von einigen wenigen bis zu 500 Todesfällen.

Yitzhak Rabin war übrigens später Premierminister Israels - natürlich demokratisch gewählt. Den Palästinensern ist Rabin jedoch vor allem aus der ersten Intifada als Knochenbrecher in Erinnerung.

... das Einladungsschreiben des „Instituts“, in dem in Bezug auf Israel von „ethnischer Säuberung“ die Rede ist. Die Verwendung von NS-Vergleichen zur Dämonisierung des jüdischen Staates ...
Hier fühlt man sich vor allem an die Weisheit - "Wer lesen kann ist schwer im Vorteil" - erinnert.
Kein der deutschen Sprache mächtiger Leser wird in der Passage einen NS-Bezug finden, weil es keinen gibt. Hier ist offenbar der Wunsch - "Hau den Antisemit!" - der Vater des Entlastungs-Gedankens, nicht die Realität.

Dem folgt eine Antisemitismus-Definition, die an der israelischen Realität völlig vorbei geht:

Auch die „European Parliament Working Group on Antisemitism“ (EUMC) schreibt dazu: „Beispiele von Antisemitismus im Zusammenhang mit dem Staat Israel und unter Berücksichtigung des Gesamtkontextes können folgende Verhaltensformen einschließen, ohne auf diese beschränkt zu sein: Das Abstreiten des Rechts des jüdischen Volkes auf Selbstbestimmung, z.B. durch die Behauptung, die Existenz des Staates Israel sei ein rassistisches Unterfangen.“
Tatsache ist, dass sich Israel selber als jüdischer Staat definiert – obgleich nahezu die Hälfte der Bewohner des von ihm kontrollierten Territoriums keine Juden sind. Und Tatsache ist auch, dass sich Israel zum Schutz seines "jüdischen und demokratischen" Charakters das Recht (!) heraus nimmt, die Menschen- und Bürgerrechte von Millionen von Nichtjuden in seiner Gewalt ganz oder teilweise zu beschneiden. Israel kann daher mit vollem Recht als als ein rassistischer Staat bezeichnet werden.

Auch liegt der Verdacht nahe, dass die Formulierungen des EUMC nicht ohne die Einwirkungen der "Freunde Israels" zustande gekommen sein können. Denn das "Recht auf Selbstbestimmung" kann sinnvollerweise nur unterdrückten, verfolgten unter Besatzung stehenden Völkern zugebilligt werden. Im gegebenen Fall sind das einzig die Palästinenser.

Nachdem die Verfasser „vollumfänglich“ bei der Aufgabe versagt haben, dem IPK Antisemitismus nachzuweisen - folgen die üblichen Pauschalisierungen.

Das „Institut für Palästinakunde“ schaffte es in der Vergangenheit immer wieder - wie auch in der jetzigen Veranstaltungsankündigung – besagte Antisemitismusdefinitionen vollumfänglich zu erfüllen.
Unbestimmte Phrasen, die sich nicht auf Fakten stützen - sondern allein auf Meinung der Verfasser, deren höchst eigennützige Liebe zu Israel offenbar zur politischen und moralischen Erblindung geführt hat.

Das IPK ist sich sicher, dass alle Versuche der Verfasser ihre Behauptungen auf Fakten zu stützen genauso scheitern werden, wie das hier der Fall ist.

Fazit

Der Text der Verfasser ist Teil einer bundesweit laufenden, auf Märchen und Antisemitismus-Heraufbeschwörungen basierenden Kampagne, um all jene Stimmen in Deutschland zum Schweigen zu bringen, deren Solidarität den Palästinensern gilt, die seit mindestens seit einem halben Jahrhundert von Israel unterdrückt und verfolgt werden.

Dieser Kampagne wird sich das IPK nicht beugen.

 (ts)

Ergänzende Links:
Palästinensischer Exodus aus Lydda und Ramle 1948 (wp)

Eine Übersicht über unsere aktuellen IPK-Aktivitäten finden Sie hier.

Eine Übersicht der IPK-Aktivitäten in unserem Archiv finden Sie hier.

© IPK